Werratalmuseum im Schloss Gerstungen

Schloss Gerstungen war ehemaliger Amtsitz und beherbergt heute in 22 anschaulich gestalteten Räumen eine Vielzahl an Ausstellungsstücken zur Geschichte der Region.

Gerstungen ist alt. Einer der ältesten Orte Thüringens. Im Jahre 744 erstmals urkundlich erwähnt. Strategisch günstig an alten Heer- und Handelsstraßen gelegen, war Gerstungen einst fürstlicher Amtssitz. Eine zu Fuß gut erreichbare Verwaltungseinrichtung, zu deren Aufgabe auch die Rechtspflege zählte. Das Schloss wurde im 17. und 18. Jahrhundert auf den Grundmauern einer ehemaligen Wasserburg errichtet, die zur Kontrolle einer Werrafurt  gedient hatte. Die Furt war einer der Flussübergänge des wichtigen mittelalterlichen Handelsweges "Kurze Hessen" von Frankfurt am Main über Eisenach nach Leipzig.

Das Werratalmuseum im Schloss Gerstungen

Im Schloss zeugt heute ein lebendiges Regionalmuseum mit 22 Ausstellungsräumen von der historischen Bedeutung der Region. Wer die Treppe in den engen Flur hinaufsteigt, ist nicht selten von der Größe und der professionell-modernen Präsentation der Ausstellung überrascht. Auf einzigartige Weise lässt sich hier der Geist vergangener Zeiten atmen, werden alte Handwerkskünste anschaulich gemacht. Hier wird bewahrt, wovon nur noch die Alten aus eigener Erfahrung wissen. Mehrere komplett eingerichtete Stuben, darunter auch eine Küche aus Urgroßmutters Zeiten zeigen dem zeitreisenden Besucher, wie es früher einmal war. Beim Anblick des gedeckten Tisches meint man, die Bewohner hätten nur eben für einen Augenblick das Haus verlassen. Besser kann man Kindern Vergangenes nicht vergegenwärtigen, finden auch die Schulen der Region, mit denen das Museum eng verbunden ist. Und schließlich wurde es einst auch zu genau diesem Zweck gegründet: 1932 begannen Lehrer der Oberrealschule Gerstungen Anschauungsmaterial für ihren Unterricht zu sammeln, das nicht zuletzt auch den Heimatgedanken stärken sollte. Die Sammlung wuchs rasch, ein Museum entstand.

Hier ein Überblick:

Geologische Sammlung: Sie gibt dem Besucher eine Übersicht über Erdzeitalter, Perioden, Epochen und Evolution der Erde und zeigt die Beschaffenheit der Formationen und das Vorkommen von Bodenschätzen. Unter dem Titel "Steinreiche Werra" werden mineralogische Fundstücke u. a. Kieselhölzer und Versteinerungen aus der Flussaue ausgestellt. Fotos und Schautafeln vermitteln Wissenswertes über die Entstehung der Werralandschaft. Der bekannte Geologe Dr. Friedrich Moritz Stapff, Erbauer des 1. St.-Gotthard-Tunnels, wird in seinem Geburtsort Gerstungen an besonderer Stelle geehrt.

Sammlung Ur- und Frühgeschichte: Das Gerstunger Becken war seit der Jungsteinzeit nahezu ständig besiedelt. Die zahlreichen, gefundenen jungsteinzeitlichen Werkzeuge sowie Funde der eisenzeitlichen Siedlungsplätze wie Keramik, Urnen, Schmuck usw. sind zu besichtigen.

Sammlung zur Volkskunde: Ein beträchtlicher Teil der Ausstellung ist der Entwicklung des Handwerks gewidmet. Die Vielfalt regionaltypischer Handwerkerberufe wird mit Zunfttruhen, Zunft- und Handwerksbüchern aus dem 17. Jh., handwerklichen Erzeugnissen und Werkzeugen dokumentiert.

Sammlung Werratal-Keramik: Herzstück der Ausstellung ist die umfangreiche Sammlung der bäuerlichen Werrakeramik. Das bäuerliche Leben in Wirtschaftsräumen, Scheune, Küche und Stube wird eindrucksvoll nachgestellt und auch dem kindlichen Betrachter nähergebracht.

Ortsgeschichte: Die Geschichte des Ortes Gerstungen und der Region kann man an verschiedenen Schwerpunkten verfolgen, wie die erste urkundliche Erwähnung, die Bauernaufstände des Werrahaufens in der Bauernkriegszeit, die Entwicklung des Kalibergbaus und die Entstehung des Vereinswesens. Umfangreich wird die Geschichte der Eisenbahn dargestellt.

Sonderführungen und Veranstaltungen: Selbstverständlich stehen wir auch am Wochenende für Sonderführungen und Museumsbesichtigungen zur Verfügung. Ein besonderes Erlebnis ist eine Führung durch den "Amtmann Daniel Götzel". Auf amüsante Art und Weise werden die historische Gerstunger Persönlichkeit sowie die Geschichte des Schlosses und der Gemeinde dem Gast nähergebracht. Im "Blauen Zimmer" können Sie danach gemütlich bei Kaffee und "Fitzkuchen" über vergangene Zeiten plaudern. Bitte vereinbaren Sie einen Termin: Tel. 036922/31433.


Informationen zum Schloss und zum Museum

 

Auf dem Schlossgiebel ist ein großes Storchennest auffällig, das seit über 300 Jahren von Brutpaaren genutzt wird. 

Zum Störche beobachten lädt  die Storchencam ein

Maßnahmen gefördert durch EFRE

Lokale Partnerschaft für Demokratie