Zur Geschichte von Schloss und Park Wilhelmsthal

Die historische Park- und Schlossanlage Wilhelmsthal kann auf eine über 300-jährige Geschichte zurückblicken.Wilhelmsthals Historie ist dabei von  überregionaler, nationaler und internationaler Bedeutung.

Vom Jagdhaus des Eisenacher Herzogs Johann I. zum Jagd- und Lustschloss, über eine Blütezeit als  Lieblingssommersitz des Großherzogs Carl August und dem Juwel des Großherzogs Carl Alexanders, bis hin zum Lazarett, Kriegsgefangenenlager und Kinderdorf – das ist der Weg der historischen Park- und Schlossanlage Wilhelmsthal über die Jahrhunderte hinweg. Stets erlagen die wechselnden Bewohner dem Zauber dieses einmaligen Anwesens.

In den vier großen Bauepochen, Barock, Rokoko, Klassizismus und Historismus formte sich das Schloss-Garten-Ensemble Wilhelmsthal weitgehend zu seiner heutigen Gestalt aus. Bekannte deutsche Architekten, Gartenarchitekten sowie Stuckateure und Bildhauer haben über die Jahrhunderte hinweg ihre Spuren in Wilhelmsthal hinterlassen.

Besonders hervorzuheben sind die Architekten Johann Mützel, Gottfried Heinrich Krohne, Max Littmann, der Gartenarchitekt Hermann Fürst von Pückler sowie der Bildhauer Friedrich Wilhelm Döll.

Nicht die Erscheinungsgestalt des Schlosses und seiner Größe, nicht die Ausdehnung des Parks; vielleicht die Fülle der Erinnerungen an Persönlichkeiten und Epochen zeichnen Wilhelmsthal darüber hinaus aus. Die Historie der Anlage ist verbunden mit Namen von Weltgeltung wie Georg Philipp Telemann, Franz Liszt, Friedrich Hebbel, Johann Wolfgang von Goethe und anderen namhaften Persönlichkeiten.

Die inmitten des Thüringer Waldes einsam gelegene Schlossanlage, bestehend aus barocken und klassizistischen Pavillons, welche wiederum entlang einer Prachtstraße angeordnet sind, stellt eine einmalige architektonische Kostbarkeit über Thüringen hinaus dar.

Unter diesen Pavillons befindet sich der älteste freistehende Konzertsaal Europas. Dieser 9 mal 16 Meter große, reich mit Stuckaturen ausgestattete, ovale Konzertsaal (der so genannte Telemannsaal) wurde schon zu seiner Entstehungs- und Blütezeit seiner hervorragenden Akustik wegen geschätzt. Dieser, und der große Saal im noch älteren Hauptgebäude, dem Corps de Logis von 1698, gelten als einzige noch original überkommenen, profanen Uraufführungsstätten von Werken Georg Philipp Telemanns.

Der die Schlossgebäude umgebende Schlosspark reiht sich als einer der wenigen erhaltenen Pücklerparks in Deutschland in die Reihe überregional bedeutsamer Parkanlagen des herausragenden Gartenarchitekten ein. Seit dem frühen 18. Jahrhundert prägt auch die Anstauung des vorbeifließenden Baches zu einem See das Bild. Der Wilhelmsthaler See genießt das Merkmal, ältester fürstlicher Stausee Deutschlands zu sein.

Die gesamte Szenerie des Wilhelmsthaler Ensembles wird seit alters her von lückenlosen Wäldern des Thüringer Waldes gesäumt. Als Lieblingssommersitz des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, Förderer und Patron der später als Weimarer Klassik bekannt gewordenen Epoche, war Wilhelmsthal Sommerbühne der Weimarer Klassik und Vorhof Weimars. In den Sommermonaten – in manchen Jahren sogar ein halbes Jahr lang - wurden so die Geschicke des Großherzogtums allein von Wilhelmsthal aus geleitet.
 
Später intensivierte sich die Bedeutung Wilhelmsthals als Sommeraufenthalt der europäischen (Hoch-)aristokratie. Jeder der Großherzoge von Sachsen-Weimar-Eisenach verliebte sich in die Anlagen erneut und erhielt Wilhelmsthal bis 1918 ohne größere Veränderungen. Unzählige adlige und berühmte Persönlichkeiten fanden sich allsommerlich, aber auch im Winter in Wilhelmsthal ein. Das Schicksal zum Beispiel Franz Liszts oder Friedrich Hebbels fand hier so manch erstaunliche Wendung.

Als einziges Gut verblieb Schloss Wilhelmsthal nach dem Abdanken des Adels ab 1918 in fürstlichem Besitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden hier mit dem ersten Kinderdorf in der Sowjetischen Besatzungszone unzählige Kriegswaisen eine neue Heimat.

Zum Glück konnte mit der Übernahme in die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Jahr 2008 der bedrohlich voranschreitende Verfall der zum Großteil durch die Jahrhunderte original erhalten gebliebenen Gebäude gestoppt werden. So ging Schloss Wilhelmsthal zum Glück nicht mit der Besonderheit in die Geschichte ein, als einziger großer Bestandteil des Erbes der Weimarer Klassik in Zeiten allgemeinen Aufschwungs still und leise vergangen zu sein.  

Christian Knobloch und Volker Weber
Förderkreis Schlossanlage Wilhelmsthal e.V.

Weiterführende Literatur

Buch: Christian Knobloch: „Zu schön, um zu verstummen – Die historische Park- und Schlossanlage Wilhelmsthal“, Meiningen 2012, 368 S., mit Abbildungen, Karten, Grafiken und Übersichtsplänen, ISBN 978-3-940 295-01-9,
im Buchhandel zum einheitlichen Preis von 28,50 (zzgl. Porto und Versand)
oder direkt unter www.schloss-wilhelmsthal.de zu den gleichen Konditionen