Das geteilte Land - nicht nur oberirdisch

Im Land der weißen Berge

Die Klage über die Versalzung der Werra ist so alt wie der Kaliabbau im Werra-Revier. Schon 1913 wurde die erste Kaliabwasserkommission einberufen. Sie vergab detaillierte Quoten zur Einleitung der entstehenden salzhaltigen Abwässer an die einzelnen Kaliwerke. Aus ökologischen Gründen sollte einerseits die Salzfracht der Werra einschränkt, andererseits aber die Existenz der Kaliindustrie nicht gefährdet werden. Alternativ zur Einleitung wurden die Kaliabwässer in den Plattendolomit versenkt.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wurden einvernehmliche Abstimmungen über die Salzwassereinleitung schwieriger und brachen schließlich ganz ab.

1968 wurde in den drei thüringer Betrieben die Versenkung der Abwässer ganz eingestellt und ausnahmslos direkt in den Fluss geleitet ohne Beachtung von Grenzwertvorgaben – die Werra war deshalb oft salzhaltiger als die Ostsee. Mit Einführung eines neuen Verfahrens Anfang der 1980er Jahre wird von hessischen Fabriken das Abfallprodukt (Kochsalz) als weiße Berge aufgehaldet. In der noch aktiven Thüringer Fabrik Unterbreizbach wird – ebenfalls nach Einführung eines neuen Verfahrens – seit Mitte der 90er Jahre das Abfallprodukt als Versatz in die Grubenhohlräume verbracht. Mit diesen Maßnahmen wurde die Salzbelastung der Werra radikal reduziert.

Eine Stadt unter der Erde

Zwischen den Städten Fulda, Bad Hersfeld und Eisenach befindet sich eine der größten zusammenhängenden Lagerstätten Europas. Bergleute haben hier tief unter der Tagesoberfläche ein Grubengebäude geschaffen so groß wie das Stadtgebiet von München. Das Werk Werra der K+S Kali GmbH mit seinen Standorten Merkers und Unterbreizbach in Thüringen sowie Hattorf und Wintershall in Hessen, ist eines der größten Bergwerke der Welt und – bezogen auf die Ausdehnung der Grubenfelder und die Förderleistung – das größte Kaliwerk überhaupt. Rund 21 Millionen Tonnen kali- und magnesiumhaltige Rohsalze werden hier jährlich abgebaut und zur Weiterverarbeitung in den Fabriken Hattorf, Wintershall und Unterbreizbach zu Tage gefördert. Zwischen 500 und 1100 m Tiefe sind mehr als 600 km befahrbare Strecken gewachsen. Über 150 km Bandanlagen transportieren das Salz zu den drei Förderschächten. Etwa 1100 Fahrzeuge verkehren unterirdisch.

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