Ober- und Untersuhl

Aumühle

Südlich von Untersuhl stand bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die Aumühle. Deren Betrieb wurde lange vorher wohl aus Altersgründen eingestellt. Nachdem man den Eigentümern eine Wohnung in Untersuhl zugewiesen und sie zum Umzug dorthin gezwungen hatte, wurden die Gebäude in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerissen.

Aumühle bei Untersuhl Die Grenztruppen bekamen so freies Sicht- und Schussfeld. Die Mühle lag verkehrsgünstig an einer der vielen Nürnberger Straßen der Gegend, welche die einst wirtschaftlich und kulturell bedeutende Stadt mit den Nordseehäfen verbanden. Zudem passierte eine der Kurzen Hessen (-straßen) für den Verkehr zwischen Leipzig und Frankfurt das Tal. Für beide Passagen musste Geleitschutz gewährleistet werden, warum die Kirchtürme in Berka und Untersuhl einen Auslug nach allen Seiten haben.

Rundwanderweg

Von der Südecke des Ortes Untersuhl aus ist nach einer Wegstrecke von ca. 2,5 Kilometern das Gerstunger alte Zentrum mit Markt, Kirche und Schloss (Heimatmuseum) mit Storchennest zu erreichen. Ebenso ist die Untersuhler Rundkirche sehenswert: ein Turm mit Apsis, jedoch ohne Kirchenschiff.

Der Grenzwanderweg Grünes Band führt von hier nördlich weiter in den ausgedehnten Gerstunger Wald, südlich entlang der Eisenbahn Gerstungen - Philippsthal (nur Güterverkehr) schließlich auf die bereits genannte alte Fernstraße, auf der man Obersuhl erreicht. Auf beiden Seiten sieht man intensiven Kiesabbau. Mit Erreichen der Ortslage Obersuhl wurde die frühere Zonengrenze passiert.

Ein trauriges Ereignis ist erwähnenswert: Im Frühjahr 1952, ehe der erste Grenzzaun errichtet wurde, hielten sich an einem kalten Märztag DDR-Grenzpolizisten in einem Obersuhler Haus - so gut kannte man sich mitunter - direkt an der Grenze auf, um dort auf ihre Ablösung zu warten. Das wurde einer gerade im Ort weilenden amerikanischen Militärstreife hinterbracht, die sogleich handelte. Die mündlichen Darstellungen stimmen darin überein, die Grenzer hätten nach einer kurzen tätlichen Gegenwehr versucht zu fliehen. Die amerikanischen Soldaten reagierten überzogen, die Gewehrsalven trafen tödlich. Später erfuhren junge Grenzsoldaten regelmäßig - und so lernten es auch die Schulkinder - die beiden Grenzpolizisten Schmidt und Janello wären auf ostdeutscher Seite bei der Ausübung ihres Dienstes hinterrücks erschossen und dann auf die westliche Seite verschleppt worden. Der Unglücksort ist etwa da gelegen, wo der ausgewiesene Weg sich in einem spitzen Winkel nach Süden zum Grünen Band wendet. Auf diesem liegt nun in westlicher Richtung das Naturschutzgebiet Rhäden vor uns.

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